Aktuell von unterwegs: Geilo – Zen im Schnee

Zwei Spuren im Schnee, sauber gezogen, schön parallel. Geschwind, locker und leicht sausen die Langläufer über das tief verschneite Hochplateau, entschwinden am Horizont. Meine Ski hingegen entwickelt ein Eigenleben. Will ich vorwärts, ziehen sie mich seitwärts in den Spagat. Gelingen mir zwei gleitende Schritte nach vorne, rutsche ich einen zurück. Schweiß dringt aus den Poren – und friert zu Perlen auf der Haut. Langlauf ist wie Zen. Norwegisches Zen, denn die Loipe verläuft mitten durch das Nationalparkgelände rund um Geilo, Norwegens ältestem Wintersportgebiet. 550  Kilometer maschinell gespurte Loipen durchziehen offene Hochebenen, gefrorene Sümpfe, mäandrierende Flüsse, lichte Wäldchen mit winderzausten Birken und Krüppelkiefern. Die Glieder neu ordnen, die Gedanken fest fassen, die Bewegung im Geiste noch einmal durchleben. Entspannen. Konzentrieren. Einmal tief durchatmen, dann einstechen. Das Gewicht auf nur einen Ski verlagern, kräftig nach hinten abdrücken. Gewicht verlagern, mit den Armen im Rhythmus mitschwingen, den Stock einstechen. Nicht zu weit nach vorne, sondern weiter nach hinten schwingen. Gleiten durch Stille.  Unser Ziel: die Vestrheim Fjellstue, irgendwo im tiefen Weiß dort hinten, nach 6,9 km auf roter Loipe. Achtung, jetzt geht’s bergab. „Pflug!!“ ruft mein Guide. Ich entscheide mich für eine Schussfahrt. Und bin nur noch ein kleiner Punkt inmitten der Sastrugi, der Wellen aus Schnee, die der Wind geschaffen hat. In meinem Skandinavien-Blog stelle ich die norwegische Langlauf-Destination vor. Bilder zu Geilo gibt es von mir u.a. bei Alamy.

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